Lesepredigt

Predigt zum Ostermontag, 13.04.2020

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, die Ostergeschichte ist eine Geschichte von ungeheurer Spannung, Dramatik und Bewegung. Für die, die sie erlebt haben, und für die, die sie später tausendfach weitererzählten. Die Geschichte von der leibhaftigen Erscheinung des Todgeglaubten vor den Jüngern ist ihr unglaublicher Höhepunkt. In einigen Versen erzählt die Geschichte von der Enttäuschung der Jünger über den Tod Jesu am Kreuz, von ihrem Erschrecken über seine plötzliche Erscheinung, und davon, wie ihnen unerwartet die Augen aufgehen, wie eine große Freude sie packt und der Auftrag, das Geschehene und Gefühlte weiterzuerzählen. Fast eine Explosion der Ereignisse, deren Druckwellen weiter durch die Geschichte gehen, bis heute.

Der Predigttext für den heutigen Gottesdienst steht bei Lukas im 24. Kapitel, die Verse 26-45.

Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

Jesu Erscheinung vor den Jüngern


Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm's und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden, ...

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder das ist die Ausgangssituation unserer Geschichte. Und hier möchte ich einen Moment innehalten. Denn die Geschichte dieser Hoffnung auf das „Alles wird neu und anders“ ist ja auch unsere Geschichte. Der tägliche Kampf um Arbeit und Geld, die Angst davor, sozial abzustürzen, die Furcht vor Einsamkeit und Krankheit, das ist nicht nur die Geschichte der Fischer und Bauern in Israel vor mehr als 2000 Jahren. Die Hoffnung, alles könne mit einem Schlag neu und anders werden, verbindet uns über die Jahrtausende.

 

Auch wenn sich die Hoffnung heute anders ausdrückt als damals. Der Erlöser, der Messias, der alles neu macht, in Österreich des 21. Jahrhunderts hoffen auf ihn nur mehr wenige. Andere Hoffnungen ersetzen diesen Glauben. Die Hoffnung auf medizinische Wunder, die Hoffnung auf einen starken Mann oder eine starke Frau in der Politik. Für viele ist ganz simpel die Hoffnung auf die Sechs Richtigen im Lotto und damit den neuen Himmel und die neue Erde zumindest für den glücklichen Gewinner. Die Sehnsucht bleibt, so weit sind wir von den hoffenden und enttäuschten Jüngern von damals vielleicht gar nicht entfernt.

Noch völlig benommen von dieser Enttäuschung sitzen diese Jünger in Jerusalem zusammen, vermutlich recht wortkarg, und vielleicht denkt jeder schon an seinen Beruf, dem er demnächst wieder nachgehen muss, um sein tägliches Brot zu verdienen. Und dann geht alles sehr schnell. Erst hören sie von Simon, dass das Grab leer und der Herr ihm erschienen sei. Dann kommen die Emmaus-Jünger in die Runde und berichten von ihrer seltsamen Begegnung mit dem Fremden, von dem sie erst ganz am Ende begriffen, wer er wirklich war. - Konnte das wahr sein, was die Jünger hörten. Noch während sie, hin und hergerissen zwischen tiefer Verzweiflung und neu aufkeimender Hoffnung dort sitzen, tritt der in den Raum, von dem sie alle reden. Die erste Reaktion der Jünger ist Erschrecken. Das kann doch nicht sein. Völlig unmöglich. Wir sehen ein Gespenst. - Ihr habt ein Gespenst gesehen, werden wohl auch viele derer geantwortet haben, denen die Jünger kurz darauf begeistert von diesem Erlebnis erzählt haben. Doch sehen und begreifen ist nicht dasselbe. Und darum erklärt der Auferstandene den verwirrten Jüngern, was sie vorher nicht begriffen haben. Dass Gott sehr wohl erfüllt hat, was er durch die Propheten angekündigt hat. Dass der Messias allerdings nicht der König der Herrlichkeit ist, sondern leiden musste, wie auch Menschen leiden müssen.

Dass der Messias aber nicht leidend vergeht und mit ihm die Hoffnung der Menschen auf den neuen Himmel und neue Erde, wie die Jünger noch wenige Stunden zuvor enttäuscht und verzweifelt angenommen hatten. Sondern dass Gott ihn am dritten Tage auferweckt hat nach dem Zeugnis der Propheten. Jetzt erst begreifen die Jünger. Darin besteht die Erlösung für die Menschen. Gott erweckt, was stirbt, wieder zum Leben, und zu allererst seinen Sohn.

An diesem Ostertag haben die Jünger vielleicht begriffen, dass sie bisher nur einen Bruchteil von dem verstanden haben, wer dieser Jesus von Nazareth ist. Und, dass sie auch nur einen Bruchteil ihres eigenen Lebens wirklich verstanden haben. Jesus ist für sie ans Kreuz und ins Grab gegangen auf den ersten Blick nur eine zerstörte Illusion mehr, wie das ganze Leben dieser Menschen aus zerstörten Illusionen bestand. Aber dann hat Gott diesen Jesus aus dem Grab zu neuem Leben erweckt. Das ist die Wirklichkeit, die mehr ist als die Realität des Todes, der Grund der neuen Hoffnung, der Eckstein der Zuversicht und der Freude, für die Jünger damals wie für uns heute.

Es ist scheinbar unser Schicksal als Menschen, dass wir nicht das Paradies auf Erden haben, dass wir das endgültige Heil-Sein bei Gott nicht so erleben, wie wir es uns erträumen. Aber wenn wir uns von dem mitnehmen lassen, was die Jünger leibhaftig fühlen durften, wenn wir glaubend an dem teilhaben, was diese damals gesehen haben, kann uns das tägliche Elend nicht mehr zur Verzweiflung treiben. Denn der Auferstandene ist der Garant jener größeren Wirklichkeit, die unser Leben umfasst und die auch unsere Wunden heilt. Das ist ein Grund zur Freude, zur österlichen Freude, für die Jünger damals wie für uns heute.

Die Jünger haben gesehen, wovon wir heute nur eindrucksvolle Zeugnisse haben. Der Auferstandene hat ihnen aufgetragen, für das, was sie gesehen haben, Zeugen zu sein. „Fangt in Jerusalem an“, sagte er ihnen, vielleicht, weil sie noch wie gelähmt von den Ereignissen dieser Tage auf ihren Sesseln saßen. Dann setzt sie, was sie gehört haben, in Bewegung: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, sie sagen es weiter und verkündigen damit keine nur gedachte Mitteilung über einen fernen Gott, sondern eine frohe Botschaft, die die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten in aller Welt froh machen wird. Liebe Schwestern und Brüder, wir sind Hörer und Weitererzähler dieser frohen Botschaft zugleich. Als Hörer kann sie uns das Herz leicht machen und die Gewissheit geben, dass Gott der Gott des Lebens und der Freude ist. Als Zeugen stellt sie uns mit in die Reihe derer, die diese gute Nachricht nicht nur für sich behalten, sondern andere Menschen an ihr teilhaben lassen. So tragen wir dazu bei, dass Ostern nicht nur einmal im Jahr in der Kirche ist, sondern jeden Tag zu einer Lebensbewegung gegen Resignation und Verzweiflung und für Versöhnung, Leben und gelingende Gemeinschaft wird.

 

Amen.

Lektor Franz Feichtinger

f

Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Linz - Innere Stadt

Martin-Luther-Platz 2

4020 Linz

Österreich

Kontaktdaten

Telefon +43 59 1517 421 00

Telefax +43 59 1517 421 00

E-Mail pfarramt@linz-evang.at

Bankverbindung

IBAN   AT24 2032 0006 0080 3010

(Pfarrgemeinde)

IBAN   AT23 2032 0006 0080 3028

(Kirchenbeitrag)

BIC   ASPKAT2LXXX

Sparkasse Oberösterreich

© powered by EARFILM